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November - Monat der Gedenktage / Volkstrauertag



Unser freier Tag in dieser Woche wurde durch graues November-Wetter getrübt.

Trotzdem wollten wir einen Spaziergang machen und entschlossen uns, diesen mit dem Besuch eines Grabes zu verbinden.


Unser Waldfriedhof ist genau das, was die Bezeichnung sagt:


ein Friedhof mit unzähligen, sehr großen und alten Bäumen - wie in einem Wald eben - was bei der Bilderschau des obigen Links nicht wirklich zu sehen ist.


Der Friedhof ist sehr groß und wir sind dieses Mal auch uns unbekannte Wege gegangen.


Und dann standen wir plötzlich an einer Stelle, die wir noch nie wahrgenommen hatten, nämlich an einem Mahnmal:





MahnmalKriegsgraeber.jpg   




Aufgefallen ist uns diese Stelle durch die Kränze, die dort lagen.

Es ist ein Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Die Inschrift lautet:

Die Toten mahnen die Lebenden



Als wir uns umsahen, wurde es mir und meinem Mann ganz beklommen ums Herz.

Ein riesiges Areal dort ist mit Gräbern gefallener Soldaten belegt.




Kriegsgraeber4.jpg





Jedes Jahr von 1940 - 1945 hat dort ein eigenes Feld, die Anzahl der Gräber ist erschreckend.

Natürlich wissen wir, dass der 2. Weltkrieg unvorstellbar viele Opfer gefordert hat, nicht nur bei uns!!!


Aber die Gräber zu sehen, diese riesengroßen Flächen, das hatte eine starke Wirkung auf uns.





Kriegsgraeber1.jpg






Kriegsgraeber3.jpg




Sehr berührt hat es uns, dass an manchen Grabstellen auch heute noch Kerzen aufgestellt werden.




Kriegsgraeber2.jpg




Der Krieg ist schon so lange her - und trotzdem gibt es noch einige Hinterbliebene, die ihrer Toten gedenken, und das wohl nicht nur zum Volkstrauertag.


Wir haben ein altes (Ehe)-Paar gesehen, welches an einer Grabstelle ein wunderschönes Gesteck abgestellt hat.

So gerne hätte ich sie angesprochen, aber ich habe mich nicht getraut.


Welche Schicksale stehen wohl hinter den einzelnen Namen?

Junge Männer von 16, 17 Jahren sind dort beigesetzt - es ist furchtbar anzusehen und das zu lesen.


Wenn ich bedenke, dass auf diesem Friedhof nur ein ganz "kleiner" Teil der Kriegstoten begraben ist, dann kann es nur eine Bitte geben - an wen auch immer:


Bitte keine Kriege mehr!!!




Und liegt es nicht auch an uns, schon im Alltag dafür Sorge zu tragen, dass wir Kriege verhindern?




Frieden


Wir sehen sie an und entscheiden ganz schnell:
sympathisch oder nicht?!
Wir begutachten Kleidung, Haltung, Figur,
und dann auch noch das Gesicht.

Sieh dir mal den an – hat der einen Bauch!
Der Typ wäre überhaupt nichts für mich!
Und guck mal die Alte mit dem bemalten Gesicht!
Die macht sich doch einfach nur lächerlich!

Und diese Familie! – Eine Zumutung für alle!
Muß man denn so durch die Gegend laufen?
Das hat doch keiner mehr nötig. Heute kann sich wohl jeder
etwas Vernünftiges zum Anziehen kaufen!

Mit unserem Urteil sind wir oft schnell zur Stelle -
und liegen nicht selten völlig daneben.
Wir sehen die Hülle, oft eine Fassade -
doch jeder Mensch hat sein Leben!

Wir wollen den Krieg nicht, wir wünschen uns Frieden -
für die ganze Welt, nicht nur für uns allein!
Fangen wir doch bei unseren Mitmenschen an -
das kann ein Schritt hin zum Frieden sein!

© Edith Tries



Obwohl ich dieses Gedicht schon im Jahr 2002 geschrieben habe denke ich, dass es immer wieder aktuell ist.



Nachdenkliche Grüße in diesen Sonntag!



PS.:

Das Gedicht ist erschienen in der "Frankfurter Bibliothek" 
Jahrbuch für das Neue Gedicht, 2004


Zu lesen ist es auch in meinem Buch:

"Stark wie ein Baum - sanft wie eine Blüte"


 

Nickname 13.11.2011, 00.14

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von Gerti Kurth

Liebe Edith,
diese riesigen Soldatenfriedhöfe sind mir ganz besonders in Belgien aufgefallen und haben mich beklommen gemacht. Ich berichtete davon.
Ja, ich denke, wenn jeder bei sich selbst beginnt, wird es Frieden geben.
Liebe Grüße von
Gerti

vom 16.11.2011, 16.55
Antwort von Nickname:

Dankeschön, liebe Gerti.

Das "Kehren vor der eigenen Haustüre" ist wohl das, woran es oftmals schon im Kleinen scheitert.


Und die große, weltumfassende Politik - die können wir Normalbürger letztendlich wohl nicht wirklich lenken, leider!

Liebe Grüße an Dich! 

 

4. von Anette

Ich vergaß zu schreiben, dass deine Fotos die Stimmung sehr gut wiedergeben ...

vom 14.11.2011, 21.45
Antwort von Nickname:

Dankeschön :-)


3. von Anette

Wir gehören zu der Generation, die bislang keinen Krieg im eigenen Land miterleben mussten und ich hoffe, dass das so bleibt ...
Toleranz gegenüber den Mitmenschen, das Anderssein akzeptieren, das ist gar nicht so einfach, aber so wie du es in deinem Gedicht schreibst, das ist der Anfang des Friedens ...
Ewiger Frieden, das ist ein Wunschtraum, ich befürchte, er ist nicht realisierbar ...
Danke für deine nachdenklich machenden Gedanken ...
Liebe Grüße, Anette


vom 14.11.2011, 21.42
Antwort von Nickname:

Ja, wir haben bisher viel Glück gehabt, liebe Anette.

Der Wunsch, dass es so bleiben möge, ist hier bei uns hoffentlich realistisch.

Das Anderssein zu akzeptieren ist oftmals schwer - immer gelingt es mir auch nicht, das gebe ich gerne zu.

Aber vielleicht hilft ja schon ein wenig der gute Wille und das ernsthafte Bemühen.

Dass die ganze Welt jemals komplett kriegsfrei ist - das glaube ich auch nicht.

Liebe Grüße! 


2. von Agnes

Wir haben in unserem eher kleinen Städtchen leider keinen Waldfriedhof.
Ich mag solche Friedhöfe viel lieber als das was wir hier haben.
In Münster gibt es einen Waldfriedhof, den besuche ich auch gerne, wir waren am letzten Sonntag noch dort.
Der Waldfriedhof Lauheide ist mit über 35.000 Gräbern ein sehr großer Friedhof, er hat 1135 internationalen Kriegsgräbern und noch dem sogenannten "Englische Friedhof" (Commonwealth War Graves Commission) mit 740 Gräbern.
Ich habe auch immer ähnliche Gefühle wie Du, wenn ich diese großen Felder mit Kriegsgräbern sehe.
Wir müssen es uns immer wieder vor Augen halten und sagen "Nie wieder Krieg"!
Dein Gedicht dazu beeindruckt.

Agnes

vom 13.11.2011, 21.23
Antwort von Nickname:

Der Wunsch, nie wieder einen Krieg erleben zu müssen bzw. für uns später Geborene: niemals einen Krieg erleben zu müssen, kann in unserem Land vielleicht in Erfüllung gehen.

Wie schlimm und anders sieht es da in vielen Ländern / Regionen der Welt aus!


Was soll nur aus den Kindern werden, die während eines Jahre andauernden Krieges groß werden müssen?

Bei dem Gedanken an die zerstörten Seelen diese Kriegskinder wird mir Angst und Bange!

Danke, Agnes!


1. von Zitante Christa

Schöne Bilder hast Du da vom Denk-Mal und von den Gräbern der Gefallenen der Weltkriege mitgebracht!

Eine Cousine von mir hat ihren Vater nie kennengelernt, er mußte kurz nach der Hochzeit wieder an die Front und kehrte nie zurück. Ein Bruder meines Vaters, seine letzte Ruhestätte ist in Bielefeld. Viele Jahre sind meine Eltern und weitere Geschwister meines Papas dorthin gefahren - die Cousine wollte allerdings nie mit...

Die Bitte um Frieden bzw. "nie wieder Krieg" - wenn es danach ginge, wie oft diese schon ausgesprochen wurde, z.B. bei so vielen Gottesdiensten, dürfte es schon längst keine Kriege mehr geben. Die Gier nach Macht, Geld, Ressourcen, Durchsetzung des eigenen Glaubens usw. ist anscheinend bei den Menschen so groß, daß diese Bitten nicht ankommen. Es ist wirklich sehr, sehr traurig.

Toleranz gegenüber Mitmenschen könnte ein erster, klitzekleiner Schritt in diese Richtung sein, wie Deine Zeilen es ja auch aussagen.

Du erlaubst mir dazu noch ein paar Worte von "unserem Manne"?

Furchtbar, einen Krieg zu verlieren,
furchtbar, einen Krieg zu gewinnen,
am furchtbarsten, einen Krieg zu beginnen
© Dr. phil. Manfred Hinrich
deutscher Philosoph, Lehrer, Aphoristiker und Schriftsteller, * 1926
(mit seiner Genehmigung, natürlich).

Nachdenkliche Grüße wieder zurück an Dich!
Christa


vom 13.11.2011, 18.34
Antwort von Nickname:

Die Menschen aus der Generation unserer Eltern hatten - und haben wohl noch - viel Schlimmes, was sie in sich tragen und bewältigen müssen.

Es ist eine stark gebeutelte Generation, aufgearbeitet wurde damals wohl nicht gerade viel - oder gar nichts.


Die Worte von Manfred Hinrich treffen ins Schwarze, er bringt es mal wieder genau auf den Punkt.


Aber das dürfen wir bei ihm ja auch erwarten ok.gif 


Danke, Christa -  und liebe Grüße.