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Ausgewählter Beitrag

Gedanken zum Zeitgeschehen




Einige Tage habe ich darüber nachgedacht, ob ich etwas zu Japan schreiben soll oder nicht?!
Es wird viel diskutiert, geredet, Anteil genommen, mitgefühlt.
Bei vielen Menschen läuft der Fernseher den ganzen Tag, so manches Radio ebenso.

Da fragt man sich, ob es überhaupt von Interesse ist, noch einen Blogbeitrag mehr in die Welt zu setzen ...?

Nein, ich wollte es nicht - und hatte vor, meinem ganz normalen Ablauf zu folgen und das für morgen vorgesehene Foto einzusetzen.

Und dann hat mir mein Gefühl etwas anderes gesagt - ich kann hier in meinem Blog nicht einfach zur Tagesordnung übergehen!


Mein Fernseher wird mittlerweile wieder genauso wenig eingeschaltet wie vor den Katastrophen.
Wenn ich zuhause bin, höre ich mir die Nachrichten im Radio an - diese kurzen Mitteilungen reichen mir aus.

Nein - ich will mir nicht dauerhaft die immer wiederkehrenden Bilder dieser unermesslichen Zerstörung, des unerträglichen Leides dieser Menschen ansehen.
Die Wiederholungen der Bilder und Filme machen das alles auch nicht erträglicher, im Gegenteil.

Ja, auch mich bedrücken diese Geschehnisse! Manchmal fühle ich mich, als nähme mir ein Stein im Brustkorb die Luft zum Atmen. Die Tränen sitzen locker und bahnen sich spätestens dann einen Weg, wenn ich abends in den Nachrichten dieses menschliche Elend und die unglaubliche Zerstörung sehe.


Und trotzdem bin ich der Meinung:

wir dürfen durch diese Katastrophen nicht depressiv werden, wir sollten uns nicht aus Solidarität mit den geschundenen Menschen jegliche Freude versagen - denn nur dann, wenn wir uns trotzdem an schönen Dingen erfreuen können, wenn wir es uns erlauben, uns trotzdem etwas Gutes zu tun - nur dann können wir das alles aushalten und vielleicht irgendetwas in Bewegung setzen - zum Wohl aller Menschen.




Und hier kommt mein eigentlicher Beitrag zum Thema.

Ich habe versucht, meine Gedanken in kurze, überschaubare Sätze zu fassen:





 








Apokalypse
 

Erbebt ist das Land,
erschüttert in seinen Grundfesten,
zerstört der Glaube an menschliche Allmacht.
 
Überrollt, verschluckt und wieder
ausgespien von einer riesigen Flut
liegt das Leben in Trümmern.
 
Beherrscht bleiben die Gesichter,
diszipliniert die Menschen
in all ihrem Leid, überzeugt:
 
den Wiederaufbau werden wir schaffen!
 
Doch dann greift sie um sich -
schleichend, unsichtbar und geruchlos -
die atomare Verseuchung.
 
Evakuierung und Flucht,
heimatlos gewordene Menschen,
entwurzelt und ihrer Würde beraubt.
 
So manche Hoffnung wird zerstört
durch traurige Gewissheit:
der liebste Mensch ging verloren.
 
Tränenströme weichen Fassaden auf,
lassen sie bröckeln, reißen sie ein.
Die Katastrophe bekommt ein Gesicht.
 
Dunkelheit legt sich
 über das
„Land der aufgehenden Sonne“


© Edith Tries, 16.03.2011





Nickname 16.03.2011, 15.45

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von Pat

Ich habe genauso darüber nachgedacht, ob ich was schreiben soll oder nicht. Ich habe mich dann dagegen entschieden, denn ich bin einfach zu sprachlos, was dieses Land ertragen muss. Und bewundere gleichzeitig diese Menschen, die damit so diszipliniert und weise umgehen.

Deine Worte und das Bild sagen eigentlich alles aus. Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht.

Liebe nachdenkliche Güße
Pat

vom 19.03.2011, 10.59
Antwort von Nickname:

Ich glaube, viele Blogbetreiber haben sich Gedanken gemacht, ob sie etwas darüber schreiben sollen oder lieber nicht.
Jede Entscheidung hat ihre Berechtigung, finde ich.
Es geht einem so vieles im Kopf herum!

Danke schön, liebe Pat - ich freue mich, wenn meine Worte auch in etwa Deine Gedanken widerspiegeln :-)


4. von elfi s.

Liebe Edith,
das Gedicht und deine Worte zum aktuellen Geschehen in Japan haben mich sehr berührt.
Selbst ein Land mit so hoher Technologie ist den Naturgewalten hilflos ausgeliefert.
Mich erstaunt auch immer wieder, mit wieviel Zuversicht die Menschen dort an die Zukunft denken.
Man möchte helfen, aber weiß doch eigentlich nicht wie.
Ich wünsche den Menschen in Japan viel Kraft und Mut für das "danach".
So schlimm das alles auch ist, es bedeutet auch ein Wachrütteln für alle, die für die Zukunft etwas ändern können.
Und damit sollte so schnell wie möglih angefangen werden.
Liebe Grüße
Elfi

vom 17.03.2011, 22.33
Antwort von Nickname:

Diesen Naturgewalten hat wohl kein Mensch, kein Land, keine Regierung irgendetwas entgegezusetzen.

Es wird uns gezeigt, wie klein wir Menschen doch sind angesichts der gewaltigen Natur.

Es ist schön, dass meine Worte Dich berühren und ich schließe mich Deinen guten Wünschen an, liebe Elfi :-)

 


3. von Cornelia

Liebe Mama!

Erstmal: Ich habe dein Bild mit der Rose gesehen und dachte nur: WOW,was für ein tolles Bild!!! Wirklich super!!Der anschließende Text dazu ist genauso toll geschrieben - wenn man "toll" in dem Zusammenhang überhaupt verwenden sollte... Aber geschrieben ist es jedenfalls sehr gut - es hat mich direkt berührt!
Die Bilder in den Nachrichten sind schrecklich und sie bewegen mich einfach dazu, jeden Tag daran zu denken, wie gut es uns doch geht...
Lieben Gruß, Cornlia

vom 17.03.2011, 21.34
Antwort von Nickname:

In diesem Foto liegt alles, was ich ausdrücken wollte:

Trauer, Dunkles, das Aufbrechen / Aufblühen der Gefühle - aber auch das Helle der Hoffnung und Zuversicht.

Dein Gefühl großer Dankbarkeit für das eigene Leben teile ich ich mit Dir - und viele andere Menschen wohl auch!

Danke, liebe Cornelia :-)


2. von aNette

Ich versuche das einzig Positive in dieser Katastrophe zu sehen (reiner Selbstschutzmechanismus, sonst könnte man es nicht ertragen) Die Diskussion um Laufzeiten von AKW wird wieder angeheizt. Ich würde mir wünschen, dass da ein Umdenken stattfindet. Ansonsten kann die Welt nur machtlos zusehen und beten. Wie schrecklich. lg aNette

vom 16.03.2011, 19.36
Antwort von Nickname:

Das wünschen sich bestimmt viele Menschen, liebe aNette :-)

Mal sehen, was daraus wird.

Und - beten ist doch auch was. Das nimmt einem das Gefühl der Machtlosigkeit, finde ich!


1. von Agnes

Mir ging es genau so liebe Edith, ich hatte auch überlegt, ob ich einen Blogeintrag mit meinen Gedanken schreiben sollte.
Aber da bei Flickr (aufgrund der Kontakte zu den japanischen Flickr-Freunden) das Thema für mich mehr Gewicht hat, hab ich darauf verzichtet.
Du hast es alles so treffend ausgedrückt, so gut hätte ich es eh nicht gekonnt.
Dein Gedicht ist ergreifend schön.
Danke dafür und für Deine Gedanken.
LG
Agnes

vom 16.03.2011, 17.37
Antwort von Nickname:

Ich meine, jeder soll in seinem Blog so damit umgehen, wie er / sie es für richtig hält.

Dass Dir deine japanischen Freunde jetzt besonders nah und wichtig sind, ist allzu verständlich.


Hab vielen Dank, liebe Agnes, für Deine anerkennenden Worte :-)